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Praxistag in Friedehorst: Carsten Sieling lernt Einrichtung kennen

27.08.2015

v.l.: Bürgermeister Carsten Sieling, Bewohnerin Kismet Atmaca, Therapeut Uwe Barkemeyer

 

Einen ganz besonderen Praktikanten konnte die Stiftung Friedehorst diese Woche begrüßen: Bürgermeister Carsten Sieling besuchte die Einrichtung in Lesum zu einem Praxistag. „Ich habe schon als Bundestagsabgeordneter viele solcher Praxistage gemacht, und möchte diese Tradition auch als Bürgermeister unbedingt fortsetzen“ so Carsten Sieling. „An so einem Tag versuche ich so viel wie möglich selbst mit anzupacken und bei der alltäglichen Arbeit dabei zu sein.“ In der diakonischen Stiftung machte er nun auf Einladung des Vorstehers Pastor Michael Schmidt den Auftakt.
 
Im Altenhilfebereich half Sieling zunächst bei der Mobilisierung einer jüngeren Wachkomapatientin: Mithilfe eines Lifters hob er zusammen mit einer Krankenschwerster die bewegungsunfähige Frau in ihren Rollstuhl. Friedehorst ist in Bremen die einzige Einrichtung, die Plätze für jüngere schwerst-pflegebedürftige Menschen anbietet. „Der Bedarf ist sehr groß“ erzählt Vorsteher Schmidt, „deshalb haben wir die Platzzahl von 60 schon auf 80 aufgestockt.“ Schwerst-pflegebedürftige Menschen benötigen Pflege rund um die Uhr, was im häuslichen Umfeld oft nicht machbar ist. Die meisten Pflege-Einrichtungen sind wiederum nur auf ältere Menschen eingestellt, so dass Friedehorst hier eine Lücke schließt.
 
Auf eine ehemalige Wachkoma-Patientin traf Carsten Sieling dann bei Therapeut Uwe Barkemeyer: Kismet Atmaca lag nach einer schweren Operation 3 Jahre lang in diesem Schwebezustand, bei dem grundlegende Körperfunktionen meist erhalten sind, der Patient aber kaum auf äußere Reize reagieren und seine Muskeln nicht bewegen kann. Ärzte und Familie hatten schon alle Hoffnung aufgegeben. Und heute – 2 Jahre nach ihrem Erwachen – kann die Bremerin dem Bürgermeister die Hand geben und mit ihm plaudern. „Ich habe mich zurück ins Leben gekämpft“ erzählt die gebürtige Türkin ihre bewegende Geschichte. „Ich habe wieder gelernt zu essen, zu sprechen, meine Hände und Arme zu bewegen – und jetzt will ich wieder laufen lernen!“ In der Therapie bei Uwe Barkemeyer arbeitet die Bewohnerin auf dieses Ziel hin, und Bürgermeister Sieling konnte bei den Geh-Versuchen im wörtlichen Sinne unterstützen. „Es ist wirklich beeindruckend und bewegend zu sehen, was entgegen aller Erwartungen doch möglich ist“ so Sieling. „Das macht Mut!“
 
Nach dem Besuch von Haus Promente, das speziell auf demenziell Betroffene ausgerichtet ist, schloss Carsten Sieling den Praxistag in Haus Mara ab. In Mara, einer auf schwerst-mehrfach behinderte Kinder und Jugendliche spezialisierten Einrichtung, spielte er unter anderem Uno in einer Wohngruppe: „Die Jugendlichen haben mich netterweise in der ersten Runde gewinnen lassen“ erzählt der Bürgermeister lächelnd. Anschließend ging es mit Mara-Kindern auf den frisch renovierten Spielplatz, der auch für die Öffentlichkeit zugänglich ist.
 
Nach den Stunden voller Eindrücke und Erlebnisse zieht Carsten Sieling Bilanz: „Ich bin beeindruckt von der Vielfalt der Angebote in Friedehorst“ sagte er. „Die Pflegekräfte waren unglaublich zugewandt, und man merkt richtig, wie sehr die Menschlichkeit hier im Vordergrund steht.“
 
Vorsteher Michael Schmidt ergänzt: „Es ist schön, dass durch diesen Praxistag Begegnungen auf Augenhöhe möglich waren, im ganz normalen Umgang von Mensch zu Mensch. Dass Herr Sieling sich Zeit nimmt dafür, ist ein großes Geschenk für unsere Bewohnerinnen und Bewohner.“