Geschichte (1947 bis 1962)

Von den Anfängen bis zur Vereinsgründung

Friedehorst - Vereinigte Anstalten der Inneren Mission wurde am 19. September 1947 gegründet. Das amerikanische Militärhospital auf dem früheren Wehrmachtsgelände in Bremen-Lesum wurde von den amerikanischen Truppen geräumt und einem sechs Tage zuvor geschlossenen Abkommen folgend dem Verein für Innere Mission übergeben. Dieses Abkommen war hauptsächlich von Dr. Eldon Burke, dem Koordinator amerikanischer Hilfsgüterlieferungen über die Bremer Häfen, initiiert worden. Eigentlich hätte das Gelände wie anderes früheres Eigentum der Wehrmacht dem Potsdamer Abkommen zufolge zerstört werden sollen. Doch als bekennender Christ verhinderte Burke die Sprengung angesichts der Bedürfnisse und Not der Menschen in Bremen, das während des Zweiten Weltkriegs zu sechzig Prozent zerstört worden war. Die Gebäude wurden erhalten, um sie für Gesundheits- und Wohlfahrtszwecke nutzen zu können.

Auch nach der Gründung von Friedehorst unterstützte Burke noch die Aufbauarbeiten, indem er Lebensmittel- und Kleiderspenden etc. organisierte und zur Verfügung stellte. Ein einfaches hölzernes Kruzifix in der Friedehorster Kirche, die von den amerikanischen Truppen für das eigene militärische, geistige Wohl gebaut worden war, ist eines der vielen Produkte aus dieser Zeit. Eine Spende von 100qm schwedischem Birkenholz der Amerikanischen Brüdergemeinde machte die Anfertigung des Kruzifix möglich.

Die Renovierung und der Umbau der Gebäude für den friedlichen Gebrauch begannen mit großen Schwierigkeiten. Die Häuser waren in sehr schlechtem baulichen Zustand: die Dächer waren durchlässig, die Fußböden verrottet, und es gab kaum Mobiliar und keine Heizungen. Doch trotz all dieser Schwierigkeiten war die christliche Verantwortung für die vielen dringend hilfsbedürftigen Menschen stärker.

Das erste Weihnachten in Friedehorst wurde von ungefähr 50 Menschen gefeiert. Diese waren entweder heimatlose oder verletzte Soldaten, die zuvor in einem Hilfsbunker gewohnt hatten, oder ausgebombte Bewohner eines Altenheims, des Marthasheims und des Dorotheenheims, die von Friedehorst aufgenommen worden waren. Viele von ihnen unterstützten die Aufbauphase mit handwerklichen oder häuslichen Arbeiten. Lehrwerkstätten wurden eingerichtet, um den ehemaligen Soldaten das Erlernen eines neuen Berufes zu ermöglichen. Ein Teil der Einrichtung wurde dem Diakonissenmutterhaus zur Verfügung gestellt, das es zunächst als eine Tuberkulosestation und später als eine weithin bekannte orthopädische Klinik nutzte.

Aufgrund der wachsenden Zahl von Aufgaben wurde das Einrichten einer Leitungsstelle in Friedehorst nötig. Zum ersten Friedehorster Vorsteher wurde Pastor Heinrich Johannes Diehl am 1. August 1948 ernannt. Er blieb bis 1980 im Amt.

Wegen eines Abkommens vom September 1947 war das Nutzungsrecht von Gelände und Gebäuden für Friedehorst ursprünglich auf 5 Jahre beschränkt. Ein weiterer befristeter Vertrag ermöglichte die Fortsetzung der Arbeit. Auf Basis dieses Vertrags konnten die Einrichtungen, die aufgrund der Bedürfnisse der Nachkriegszeit gegründet worden waren, verändert und an die sich verändernden Erfordernisse angepasst werden. Gleichzeitig war die fortlaufende Verbesserung der Gebäude und der Lebensqualität durch die Entwicklung qualifizierter Pflege, Behandlung und Ausbildungsmöglichkeiten deutlich erkennbar.

Im Jahr 1956 war Friedehorst - lange Zeit bevor gesetzliche Regelungen in diesem Zusammenhang getroffen wurden - die erste Einrichtung in Norddeutschland, die Ausbildungskurse zur Altenpflege angeboten hat.

Die Fachkenntnisse in der beruflichen Qualifizierung ehemaliger Soldaten begründeten schließlich die Einführung von Ausbildungskursen für die speziellen Bedürfnisse junger behinderter Menschen. 1957 wurde ein Berufsbildungswerk zusammen mit einem Lehrlingsheim eingerichtet.

Gleichzeitig wurden ein Wohnheim, eine therapeutische Einheit und eine Sonderschule errichtet. Nach Auslaufen des Mietvertrags 1962 wurde der letzte Schritt in Richtung des langfristigen Bestehens von Friedehorst durch den Ankauf des Geländes getan. Die Bremische Evangelische Kirche spendete die Hälfte des Ankaufpreises an Friedehorst, während die andere Hälfte vom Kapitalmarkt aufgebracht wurde. Auf diese Weise wurde die rechtliche Unabhängigkeit durch die Gründung einer gesonderten, eigenständigen Organisation, „Friedehorst – Vereinigte Anstalten der Inneren Mission e.V.“, umgesetzt.