Drei diakonische und bundesweit tätige Verbände appellieren zu Beginn der Koalitionsverhandlungen an die zukünftige Bundesregierung, dringend wirksame Maßnahmen gegen den zunehmenden Personalmangel in der Eingliederungshilfe, Gesundheit und Pflege zu ergreifen. Ohne entschlossenes politisches Handeln drohen erhebliche Versorgungslücken für Menschen mit Behinderung sowie pflegebedürftige Menschen, betonen der Evangelische Bundesfachverband für Teilhabe (BeB), der Deutsche Evangelische Verband für Altenarbeit und Pflege e.V. (DEVAP) sowie der Verband diakonischer Dienstgeber in Deutschland (VdDD).
Dringender Handlungsbedarf für eine nachhaltige Versorgung
Die Fachverbände betonen, dass die Situation in der Eingliederungshilfe und Pflege zunehmend kritisch wird. Ohne sofortige Maßnahmen werde es in den kommenden Jahren noch schwieriger, qualifiziertes Personal zu finden und zu halten. Dies hätte gravierende Folgen für pflegebedürftige Menschen und Menschen mit Behinderung, die auf professionelle Unterstützung angewiesen sind.
Das Vorhaben im Sondierungspapier von CDU/CSU und SPD zur Schaffung einer digitalen Agentur für die Fachkräfteeinwanderung als einheitliche Ansprechpartnerin für ausländische Fachkräfte, begrüßen die drei Fachverbände ausdrücklich. Hierbei müssen die Belange der Sozialwirtschaft konsequent mitgedacht werden.
Pfarrer Frank Stefan, Vorstandsvorsitzender des BeB, betont den Fachkräftemangel in der Eingliederungshilfe „Wir brauchen dringend Maßnahmen, die den Zugang zum Beruf der Heilerziehungspflege erleichtern und ihn attraktiver machen – dazu gehören eine kostenfreie und vergütete sowie einheitliche Ausbildung im ganzen Bundesgebiet, der Abbau bürokratischer Hindernisse und eine zentrale Steuerung der Fachkräfteeinwanderung. Wir fordern eine Gesamtstrategie von Bund und Ländern, um nicht nur die Anerkennung ausländischer Abschlüsse in der Heilerziehungspflege zu erleichtern, sondern auch gezielt Vereinbarungen mit anderen Ländern zu treffen, um Fachkräfte für die Eingliederungshilfe zu gewinnen. Denn eines ist klar: Eine Gesellschaft, die Inklusion und Teilhabe ernst nimmt, muss auch in die Menschen investieren, die diese Werte tagtäglich in die Praxis umsetzen.“
Wilfried Wesemann, Vorsitzender des DEVAP, ergänzt: „Für eine gesicherte pflegerische Versorgung müssen zeitnah Maßnahmen ergriffen werden, um dem massiven Fachkräftemangel in der Pflege entgegenzuwirken. Hierzu zählen die zügige Umsetzung des Pflegekompetenz- und Pflegeassistenzgesetzes und die refinanzierte Unterstützung von kompetenzorientierten Personalaufbaukonzepten. Die Ausbildung muss durch die Abschaffung des Wertschöpfungsanteils im 2. und 3. Lehrjahr sowie die auskömmliche Finanzierung der Pflegeschulen attraktiver gestaltet werden. . Die Ausbildungsoffensive Pflege sollte als wichtiges Zeichen der Bundesebene auch von der neuen Koalition fortgeführt werden. Zudem sind die Anerkennungsverfahren für ausländisches Personal zu vereinfachen und aufenthaltsrechtliche Sicherheit, soziale Stabilität und berufliche Zukunftsaussichten zu gewährleisten. “
Dr. Ingo Habenicht, Vorstandsvorsitzender des VdDD, schließt sich an: „Die nun angedachten und dringend notwendigen Investitionen in Betreuungsstruktur und Krankenhäuser sind zu begrüßen, sofern sie zielgerichtet erfolgen und auch den freigemeinnützigen Trägern zugutekommen. Sie müssen aber einher gehen mit einer Offensive zur Gewinnung von Arbeitskräften, insbesondere auch durch Zuzug aus dem Ausland. Neben der Beschleunigung von Anerkennungsverfahren und der Einführung der Kompetenzvermutung in der Pflege, braucht es auch eine Modernisierung des Arbeitszeitgesetzes. Die derzeitigen Regelungen gehen an der Realität der Sozialwirtschaft vorbei, in der häufig eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung notwendig ist. Zudem braucht es Förderprogramme, um den Quereinstieg in die Pflege zu erleichtern.“
Über die Verbände
Der Deutsche Evangelische Verband für Altenarbeit und Pflege (DEVAP) e.V. ist der größte evangelische Fachverband auf Bundesebene und vertritt über 1.950 stationäre Einrichtungen der Altenhilfe, über 1.400 ambulante gesundheits- und sozialpflegerische Dienste, mehr als 120 Pflegeschulen mit ca. 9.600 Ausbildungsplätzen sowie zahlreiche Altentagesstätten und Initiativen
Der evangelische Bundesfachverband für Teilhabe (BeB) für Teilhabe ist ein Zusammenschluss von rechtlich selbständigen (gemeinnützigen) Einrichtungen und Diensten der diakonischen Behindertenhilfe und Sozialpsychiatrie. Ihm gehören zurzeit bundesweit 287 Rechtsträger mit ca. 388 Teileinrichtungen an
Der Verband diakonischer Dienstgeber in Deutschland e.V. (VdDD) vertritt als diakonischer Bundesverband die Interessen von rund 200 Mitgliedsunternehmen und Regionalverbänden mit rund 570.000 Beschäftigten. Schwerpunkte der Verbandsarbeit sind die Weiterentwicklung des kirchlich-diakonischen Tarif- und Arbeitsrechts, Themen aus Personalwirtschaft und -management sowie die unternehmerische Interessenvertretung.
Quelle:
Der evangelische Fachverband für Teilhabe (BeB)
www.beb-ev.de